An der Reuss

Die ersten zwei Etappen führen weitgehend der Reuss entlang, vom Weiler Werd (unweit vom Startpunkt Muri) über Bremgarten bis Mellingen. Zudem machte ich hier einen kleinen, separaten Abstecher vom Bahnhof Erdmannlistein bis Bremgarten.

29. September 2025: Muri - Bremgarten

Die erste Etappe von Muri (AG) bis Bremgarten (AG). Ich füge hier mit Absicht "(AG)" hinzu, denn gleichnamige Ortschaften gibt es auch im Kanton Bern (BE).


Routeplan der Etappe Muri - Bremgarten. Die von mir gelaufene Route ist jeweils blau markiert, dort wo ich von der eigentlichen Route abgewichen bin, ist der "richtige" Weg rot eingezeichnet.

Der Start


Es war  9.19 Uhr an einem Montagmorgen Ende September 2025, als ich in Muri  -im Aargauer Freiamt - den Zug verliess und die ersten Schritte auf dem Aargauer Weg machte. Es war verhangen, das Wetter nicht unbedingt fabelhaft schön (wie so oft in letzter Zeit am Morgen).  Etwas Feuchtigkeit fiel aus dem Hochnebel heraus. Dabei war es in Aarau bereits ziemlich sonnig. Die Bahnhofsuhr in Boswil , eine Haltestelle vor Muri, war eine Stunde hintendrin (zeigte um 9.15 Uhr noch 8.15 Uhr an, hatten die schon Winterzeit?).

Nach der Umrundung des Fussballplatzes (welche ich eigentlich nicht hätte umrunden, sondern überqueren sollen: Schon am Anfang falsch gelaufen) traf ich auf ein kleines Bächlein, die Bünz. Sie mündet in Rupperswil (Etappe 6) in die Aare und führt dort deutlich mehr Wasser. 

Beim Weiler Hasli zweigte der Weg zum Hasliwald ab, führte dort hindurch, dann rundum zum nächsten Dorf Althäusern. Im Wald gab ich mir alle Mühe eine Spinne zu fotografieren. Es war relativ dunkel und ein leichter Wind setzte das Netz ständig in Bewegung. Auch der Achtbeiner wollte nicht wirklich mitmachen. Kurz nachdem ich den Wald verliess, musste ich eine erste Pause einlegen und meinen Blutzuckerspiegel erhöhen. 

Die erste Aufnahme entstand kurz bevor ich das Dorf Althäusern betrat, die Dritte kurz nachdem ich das Dorf auf der Ostseite, bei Gizlen (im roten Kreis) wieder verliess. 

Nach der Durchquerung vom Dorf Althäusern stieg die Route langsam zu Moorzonen ab und gegen halb 12 stand ich auf der Reussbrücke beim Weiler Werd (auf der Karte oben im blauen Kreis). Auf dem Deich am Westufer führte der Weg nordwärts in Richtung Flachsee. Noch vor der Brücke in Rottenschwil legte ich um die Mittagszeit meine erste längere Pause ein, es war bereits ziemlich sonnig geworden. Unterwegs traf ich alle 200 m auf Marchsteine, die Zahlen wurden immer höher. Ich frage mich welche Distanz hier markiert wird (ich war bei km 22), denn die Reuss hat ihre Quellen viele, viele Kilometer weiter im Süden: Am Furka und am Gotthard. Wäre es mögich, dass ab dem Ort gezählt wird, wo die Reuss den Kanton Aargau betritt? Viele finde ich es mal heraus.

Die Reussbrücke bei Rottenschwil. Es ist wahrlich ein Kunststück, diese Doppelbogenbrücke OHNE Verkehr fotografieren zu können. Es ist die Verbindungsbrücke zwischen Unterlunkhofen auf der Ostseite und Rottenschwil auf der Westseite der Reuss.

Wenige Hunderte Meter weiter flussabwärts wird die Reuss relativ breit und träge, hier befindet sich das Naturschutzgebiet "Flachsee".  An diesem See sah ich Kormorane, Schwäne, Möwen und auch Reiher. Ein Leckerbissen für Ornithologen. Es gibt zwei Beobachtungs-Plattformen am Westufer und wahrscheinlich gibt es sie auch am Ostufer.

Ich verweilte hier nicht sehr lange, es ging weiter auf dem Deich bis kurz vor Hermetschwil, einer Orschaft, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Auf einem schmalen Pfad (links davon wurden Weihnachtsbäume "gezüchtet") ging es zur Holzbrücke über die Reuss, links von mir in der Höhe das schöne Kloster des Dorfes. 

Die eigentliche Route führt weiter am Westufer, aber das bemerkte ich erst viel später: Die Brücke war nämlich auch markiert, also überquerte ich sie und fand dort einen Grenzstein aus 1471 (diesen hätte ich sonst nicht gefunden, Glück im Unglück).  Dieser Grenzstein steht nicht direkt am Wanderweg, sondern etwa 100 m davon entfernt. Als ich die Vorderseite fotografiert hatte und wieder fast auf dem Wanderweg war, dachte ich "Mist, die Rückseite nicht fotografiert". Somit ging ich nochmals zurück. 

Durch den Wald, die Reuss links tief unter mir, verlief ein breiter Pfad nach Norden. Als ich dann die Karte endlich mal konsultierte, bemerkte ich meinen Fehler. Das Ostufer war aber sehr schön und bot Aussicht auf die ersten Häuser von Bremgarten, welche ich sonst nicht gehabt hätte. Erst beim Stauwehr (obere Reihe, rechts) traf ich wieder auf die richtige Route. Ehrlich gesagt glaube ich, dass dieses Ostufer schöner ist als das Westufer, aber vielleicht werde ich es bald herausfinden. 

Ich folgte der Promenade und sah die schöne Stadt allmählich vor mir auftauchen: Brücken aus Stein, Metall, Holz, die Innenstadt. Ich lief aber nur bis Bremgarten Obertor und beendete die erste Etappe hier (es war schon 15 Uhr). Eigentlich wollte ich die Stadt und auch die Umgebung auf dem Westufer noch besuchen, doch meine Beine waren anderer Meinung. Nur zwei Tage später bin ich hier zurückgekehrt und habe mein Versäumnis nachgeholt. 

1. Oktober 2025: Erdmannlistein - Bremgarten

Ausflug Erdmannlistein - Bremgarten (AG). Als ich dabei war die "Wanderkarten" zu erstellen, sah ich westlich von Bremgarten den Namen "Erdmannlistein" stehen. Es gibt auf der Linie Wohlen - Bremgarten sogar einen Bahnhof "Erdmannlistein". Eine Internet-Suche ergab einiges an Information und meine Entscheidung war getroffen: Wenn ich schon in der Gegend bin, dann will ich mir das auch anschauen. Zudem wollte ich auch etwas mehr Zeit in und um Bremgarten verbringen, ich war vor dem 29. September noch nie in diesem schönen Städtchen.

Um 10.20 Uhr stieg ich bei Erdmannlistein, Gare Centrale, aus (ein Perron mitten in der Pampas mit Halt auf Verlangen, aber von beiden Seiten her zwei Mal in der Stunde durch die Wohlen-Bremgarten-Dietikon-Bahn bedient). Dieser Bahnhof wurde von mir ausgiebig fotografiert. Der Erdmannlistein ist offenbar ein beliebter Ausflugsort, an diesem Morgen und zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch der einzige Fahrgast, der hier ausstieg.

Nach der Fotosession am Bahnhof ging es gemütlich zum Erdmannlistein, zu Fuss ca. 5 Minuten entfernt. Bald sah ich die Megalithen, aber befand sich auf der rechten Seite eines Baumes auch ein Gesicht (obere Reihe, drittes Bild)? Ein Erdmännchen aus Holz? Direkt in der Nähe befindet sich einen grossen Holztisch und Banken, dort legte ich eine längere Pause ein, ich war ganz allein (am Nachmttag stiegen am Bahnhöfli ganze Familien aus). 

Nach dem Aufenthalt beim Erdmannlistein ging ich weiter zum Bättlerstei(n), zwei imposante Megalithen abseits des Weges, aber gut ausgeschildert. 

Nachdem ich wieder ca. 200 m zurückgelaufen war, kehrte ich nach rechts und folgte dem Weg am Torbemoos vorbei. Ich habe bis anhin nicht herausgefunden, ob man auf einfachem Wege zu diesem Weiher hinkommen kann. Unterwegs fand ich im Wald einige recht fotogene Pilze, welche förmlich danach verlangten abgelichtet zu werden.

Nach einiger Zeit traf ich auf eine Bank neben einem Marchstein. Die Inschrift auf der Bank hiess "Dreiländerstein". Zuhause fand ich heraus, dass sich hier die Grenze dreier Gemeinden - Wohlen, Waltenschwil und Bremgarten - befindet. 

Nach einer Brotpause und einigen Aufnahmen ging ich via Punkt 447 hinunter zur Bahnlinie kurz vor Bremgarten. Jetzt folgte ein Weg durch die Aussenseite des Städtchens, ein Abstieg über Treppen und da stand ich auch schon bei der Holzbrücke. Hier hatte ich eine Prachtaussicht auf die Frontseite der Stadt und machte viele Aufnahmen. Ich überquerte die Brücke und lief auf der Inselaussenseite nordwärts. Unterwegs hatte ich ein weniger schönes Treffen mit einem bissigen Hund. Warum mich der Vierbeiner unbedingt in den Waden beissen musste? Das habe ich noch nie erlebt und es war ziemlich unangenehm, wenn nicht schmerzhaft und zuhause musste mit Eis gekühlt werden. Na ja, die Besitzerin sah auch nicht ganz stabil aus. Zum Glück war ich vor einigen Jahren gegen Tollwut geimpft worden. Auf der Ostseite der Insel führte eine Treppe zurück in den Stadtkern. Nach einem kurzen Rundgang kam ich um ca. 14.15 Uhr bei der Haltestelle Obertor an und nahm um 14.26 Uhr die Bahn zurück nach Wohlen.  

3. Oktober 2025: Bremgarten - Mellingen

Die zweite Etappe von Bremgarten (AG) bis Mellingen der Reuss entlang. Von Mellingen-Dorf aus lief ich bis zum Bahnhof Mellingen-Heitersberg.

Das Bild rechts zeigt eine Maquette der Altstadt von Bremgarten, sie befindet sich gegenüber der Haltestelle Obertor.


Vor wenigen Tagen wurde für diesen Freitag noch sehr schönes Wetter vorhergesagt, als ich mir am Vorabend nochmals die Wettervorhersage anschaute, da sah es bereits ganz anders aus: Vor allem gegen Abend könnte das Wetter kippen, ein Regenschirm wurde also schon mal in den Rucksack gesteckt.

Um halb 9 verliess ich bei der Haltestelle Bremgarten Obertor den Zug und machte mich langsam auf den Weg. Der Anfang dieser Etappe führte - mit einem für mich nicht ganz verständlichen Umweg - durch das Städtchen, dann stieg der Weg bald rasch zur Reuss hinunter ab. Die Reuss.... ich würde diesen Fluss ab jetzt "links liegen" lassen, denn der Weg führte nur noch am rechten Ufer (flussabwärts betrachtet). Es war bewölkt, aber zum Glück blieb es den ganzen Tag hindurch trocken. Der Pfad war teils schmall und lief anfänglich schön geradeaus, das würde dann schon noch anders werden. Am Reussufer gab es manchmal  malerischen Sandsträndchen und wenn möglich stieg ich dorthin ab zum Fotografieren, denn es gab immer wieder etwas Sehenswürdiges. Bei Eggenwil machte die Reuss zwei grosse Bögen, es kam mir nur noch das Wort "Mäanderthaler" in den Sinn. Zweimal musste ich auch den Hauptstrom verlassen, da hier kleine Flüsschen - durch Inseln abgespalten - den Hauptstrom verliessen. 

Biberspuren

Um ca. 11.15 Uhr legte ich bei der Fähre bei Sulz meine Mittagspause ein. Eine Familie, bestehend aus Kindern, Eltern und - ich nehme es an - Grosseltern kam vorbei (und ich liess sie ziehen, denn ich wollte meine Ruhe haben). Sonst begegnete ich an diesem Tag nur wenigen Leuten.

An einem Ort verfolgte ich den Weg auf einem Pfad unten am Fluss, obwohl der Wanderweg hier nach rechts und nach oben abbog. Später musste ich dann doch bis auf den ausgeschilderten Wanderweg hochklettern, da der Pfad direkt am Fluss nicht mehr unterhalten wurde. 

Der weitere Weg führte durch ein Waldgebiet mit vielen, vielen Pilzen, ging hoch und runter, ein kurzes Gespräch mit einem älteren Mann bezüglich Störche und dessen Kommunikationsverhalten. Als ich ihn nach dem Wasserstand in der Reuss fragte, antwortete er "eher niedrig". Ich möchte mich in dem Fall nicht in der Nähe des Flusses befinden, wenn die Reuss viel Wasser führt.

Weiter und weiter gen Norden ging es. Als ich einen Angler (Bild links unten) danach fragte, ob er schon etwas gefangen hatte, sagte er " noch nicht, bin gerade erst eingetroffen". Na dann, petri heil!

Endlich, endlich tauchte Gnadenthal auf der anderen Flussseite auf, die Brücke über die Reuss hatte ich kurz vorher bereits im Visir. Lohnt es sich hier mal separat hinzugehen? 

Als ich weiter nördlich alle diese Kürbisse sah, da fragte ich mich "braucht man für den Kürbis ganz rechts nicht einen Waffenschein?"

Kurz vor Mellingen überquerte ich eine kleine Brücke und sah diesen Wasserfall.

Der Wanderweg wurde anstrengender und ich immer müder. Hoch, runter, hoch, runter, über Treppen, über Wurzeln. Sah ich da in der Ferne bereits Mellingen? 

Es war schon 14.45 Uhr als ich bei Mellingen eintraf! Eine kleine Runde durch das Dorf, dann wieder zurück über die Reuss. Dort traf ich die Entscheidung gleich zum Bahnhof Mellingen - Heitersberg zu laufen, noch ca. 1 km entfernt, denn ich lief langsam auf meinen Reserven. 15.15 Uhr kam ich dort an, ziemlich müde. Ein Tag mit ca. 18 km (alles insgesamt), steckte ich so etwas früher noch mit links weg, heute klappt das nicht mehr einfach so, das Alter macht sich bemerkbar. Keep on moving, Ton! 

Und das Wetter? Es war trocken geblieben! Man muss nur mit dem Regenschirm drohen.