Durch den Jura
Die letzten drei Etappen führen von Aarau - am Jura-Südfuss - über die Wasserflue, Salhöhe und Burgflue nach Wittnau hinunter und von dort aus über den Buschberg und den Tiersteinberg bis Frick auf der Jura-Nordseite. Drei Etappen, welche durch eine Region führen, die ich ausgezeichnet kenne.
16. Oktober 2025: Aarau - Wasserflue - Salhöhe
Jetzt geht es hoch zum höchsten Punkt des ganzen Aargauer Weges, auf die Wasserflue. Die siebte Etappe verlässt Aarau über den Alpenzeiger, geht durch den schönen Buechwald in meinem Wohnort und über den Gehren auf den Brunnenberg. Danach führt die Route auf die Aussichtsplattform der Wasserflue und über den langen Wasserfluegrat zur Salhöhe.
Es ging weiter, dort wo ich gestern aufgehört hatte, beim Zurlinden-Steg, Nordufer. Doch.... Am Morgen war alles, wie in letzter Zeit so oft, verhangen und grau. Ich nahm den Morgen für die Bearbeitung meiner vielen Fotos von gestern (und bin noch lange nicht fertig geworden) und für den Haushalt. Nach einem warmen Mittagsessen war es doch schon halb 2 bevor ich mich auf den Weg machte. Zurück zur Aare und die Kettenbrücke. Dort riskierte ich einen Abstieg bis unter die Brücke und ganz ans Wasser und machte von dort aus coole Aufnahmen. Zwei Tage später (siehe unter "An der Aare") bin ich hier nochmals zurückgekehrt.
Nachher ging ich über den Kreisel bei der Verzweigung Aarau - Erlinsbach - Küttigen und bestieg die vielen Stufen zum Alpenzeiger hinauf. Rückblickend hatte ich immer wieder eine schöne Aussicht auf die Altstadt von Aarau (Aufnahmen 2 und 3). Auf dem Alpenzeiger traf ich Schüler der Schürmatt, welche hier offenbar an jedem Donnerstag mit den Betreuern hingehen. Die letzten beiden Aufnahmen zeigen Aarau von weit oben, auf dem Alpenzeiger. Viele Gebäude sind mir sehr bekannt, da ich seit mehr als 31 Jahren in dieser Gegend wohne.
Vom Alpenzeiger aus führt der Weg quer durch den schönen und farbigen Buechwald zum Gehren. Dort war das Militär voll damit beschäftigt Munition zu verschiessen und es knallte so richtig.
Auf dem Gehren angekommen beginnt der lange Aufstieg auf den Brunnenberg, der sich in die Länge ziehende Weg zur Hardermatte und der endlose Aufstieg auf die Wasserflue-Terrasse. Unterwegs hatte ich eine schöne Aussicht auf den Hombergegg und die Gisliflue (Aufnahmen 1 und 2) und auf die Ortschaft Küttigen (Bilder 6 bis 9).
Hey, das gibt es: Ich war auf der Plattform ganz, gaaaaanz allein und genoss die Farben des Juras, von Nord über Ost bis Süd. Ein Blick auf die Zeit: Mist, es war bereits 5 Uhr, also weiter über den Grat zur Salhöhe. Bei der Antenne erreichte ich den höchsten Punkt des Aargauer Weges, 866 müM, voller Stolz!
Striegüpfel (links) und Strihe (der höchste Berg im Kanton Aargau)
Weiter, weiter über den Grat, ein Blick auf Wölflinswil im Norden und auf den unteren Saalhof, gerade noch an der Sonne. Normalerweise finde ich Hochspannungsmaste abscheulich, aber heute leuchteten sie so schön im letzten Tageslicht.
Der untere Saalhof
Kurz nach 6 Uhr traf ich auf der Salhöhe ein und öffnete die mitgebrachte Flasche Birra Moretti (aus Wildegg mitgenommen, siehe Etappe 6), dieses Bier habe ich mir mit Sicherheit verdient. Schön glänzte der Strihe im Osten, ich war so fasziniert am Fotografieren, blickte kurz auf die Zeit und packte noch rechtzeitig alles zusammen und rannte über die Strasse. Der Bus kam bereits, der Chauffeur winkte mir zu und nahm mich um 18.26 Uhr mit ins Tal.
19. Oktober 2025: Salhöhe - Wittnau
Eine Reise durch eine für mich sehr bekannte Region, hier bin ich mehrmals von der eigentlichen Route abgewichen.
Der Wecker war auf 5.15 Uhr gestellt, ich wollte um 7.15 Uhr auf der Salhöhe stehen und von der Rumismatt aus den Sonnenaufgang einfangen. Ein Blick aus dem Fenster machte aber alles klar: Es würde keinen Sonnenaufgang zum Fotografieren geben, es war stark bewölkt und neblig. Wie mir der Landwirt Rippstein von den Saalhöfen später erklärte, zeigte sich nur sehr kurz eine blasse Sonne, dann war es vorbei. Somit hatte ich vollkommen recht gehabt noch 2 Stunden im Bett liegen zu bleiben. Es war 10.45 Uhr als ich auf der Salhöhe den Bus verliess und es war immer noch leicht neblig. Glänzte der Strihe vor 3 Tagen noch in der Abendsonne, jetzt war er ab und zu in den Nebel verschwunden. Kurz vor den Saalhöfen riskierte ich einen Abstieg auf der Wiese. Riskieren? Jep, denn die Wiese war steil, voller Löcher, uneben, instabil (no risk, no fun, aber idiotisch). Die Stimmung weiter unten war aber ungemein schön, denn der Nebel floss wieder mal so schön über den Wasserflue-Grat hinunter und die Herbstfarben + etwas Sonne machten das Bild komplett.
Ich überlebte den Ab- und auch den Aufstieg und begab mich auf die Rumismatt. Und.... bei den Saalhöfen liess sich Senta, der Sennenhund, wieder mal so herrlich streicheln, habe ich sie lange vermisst. Die Rumismatt liegt nicht direkt auf dem Aargauer Weg, doch ich erlaube mir diese kleinen Umwege, welche die Route noch etwas versüssen.
Die Rumismatt, halb Kanton Solothurn, halb Kanton Aargau: Auf der Nordseite steht eine kleine Hütte "Paradisli", hier habe ich 2024 zwei Mal einen jungen Mann, Bruno Eichholzer (geboren 28. Januar 1924) getroffen. Über 10'000 Mal war er in seinem Leben schon hier oben.
Gerade neben der Hütte befindet sich ein Grab. Oft habe ich gehört, Bruno Eichholzer sei hier begraben. Nein, Bruno Eichholzer lebt noch (letzte Info 19. Oktober 2025), hier liegt Franz Hafner Sr. vom unteren Saalhof.
Von diesem Ort aus (erste Aufnahme) habe ich die Wasserflue schon unzählige Male fotografiert. Hinter der zweiten Aufnahme steckt eine andere, traurige Geschichte, welche ich hier nicht publizieren werde. Die Geschichte wurde mir von diversen Leuten, darunter auch von Bruno Eichholzer, erzählt. Das Grab wird leider nicht mehr gepflegt, aber ich werde es bald wieder selbst tun. Die dritte Aufnahme zeigt einen wunderschönen Grenzstein, schon oft von mir fotografiert.
Kurz bei der Haselmüsli-Bank auf dem Mülacker vorbei und ein Abstieg auf die Burgflue, wo ich auf Point-West meine Mittagspause einlegte, es war bereits ca. 12.45 Uhr.
Nach dem Abstieg zum Lammetholz kehrte ich nach links zum Altenberg.
Oberhalb Wölflinswil mit Blick auf Strihe, Asperstrihe und Wasserflue
Die Überquerung des Altenberges ist aber stinklangweilig, sodass ich es mir erlaubte beim Bächlimatthof nach links abzubiegen (und wurde lange vom Hofhund auf Abstand angebellt) und von dort aus bis nach Wittnau Oberdorf hinunter zu laufen. Da ich noch ca. 20 Minuten auf das Postauto warten musste, marschierte ich zum Mitteldorf, dort wo Route 42 vorbeiführt. Um 15.13 Uhr kam mein "Taxi" und brachte mich übers Benkerjoch wieder heim.
Diese Etappe führt auf einer kurzen Strecke durch den Kanton Solothurn, ich kenne die Kantonsgrenze und auch die vielen Grenzsteine hier ziemlich gut (siehe auch meine Webseite "Mein Jurapark" - weiter unten verlinkt - unter "Grenzsteine").
Meine Webseite "Mein Jurapark"
28. Oktober 2025: Wittnau - Frick
Wetterbedingt lief ich die neunte und letzte Etappe erst neun Tage später. Sie führt von Wittnau auf den Buschberg und dann über einen langen Weg zum Tiersteinberg. Es folgt einen kurzen aber steilen Abstieg zur Ruine Alt-Tierstein und von dort aus geht die Route bis nach Gipf-Oberfrick hinunter. Die letzen 700 - 800 m bis zum Bahnhof Frick verlaufen der Hauptstrasse entlang, aber das spielt nach fast 105 km keine Rolle mehr. Es ist geschafft!
Endlich war es so weit, die letzten 12 km konnte ich in Angriff nehmen. Zwar war das Wetter am Morgen weit entfernt von dem, was vor wenigen Tagen noch vorausgesagt wurde, aber es wurde besser und besser. Um ca. 9.40 Uhr verliess ich in Wittnau Mitteldorf das Postauto und machte mich auf den Weg hoch zum Buschberg. Wie so oft in der Vergangenheit, wenn ich sofort hochlaufe bekomme ich nach einiger Zeit Schwindelgefühle. Eine längere Pause, viel Traubenzucker und ein Farmer-Schoggistengel und es ging mir wieder besser, der Schwindel kehrte auch nicht mehr zurück
Zuerst eine kleine Fotosession bei der Lourdesgrotte, vor allem die Blumen sind sehr fotogen. Hier fängt übrigens ein ziemlich moderner Kreuzweg bis zur Buschberg-Kapelle an, werde ich sicher auch mal fotografieren.
Mein Weg führte aber zum Wittnauer Horn, über eine lange, lange Treppe. Mensch, ich dachte, das hört nie auf! Die zweite Aufnahme zeigt Kienberg im Süden aus der Ferne.
Beim Horn befindet sich eine alte römische Wehranlage, welche ich nicht zum ersten Mal durchkreuzte und ablichtete. Weiter ging es zum Buschberg
Die Buschberg-Kapelle liegt nicht direkt an der Route, aber hier machte ich gerne einen kleinen Umweg. Auf der Bank vor der Kapelle legte ich meine Mittagspause ein, bevor ich mich auf den langen Weg über den Tiersteinberg machte.
Pyramiden beim Punkt Fazedelle, interessant, aber noch nie von gehört. Der Pfad wurde schmäler, schlammiger, rutschiger. Den Schlamm sah man unter den vielen Blättern kaum, ich spührte ihn aber deutlich unter meinen Füssen.
Und dann: Eine Aussichtsplattform "uf de Flue", mit Blick nach Norden. Vor meinen Augen: Schupfart, im Westen Wallbach und die Rheinkurve, auf der deutschen Seite Bad-Säckingen, der Schwarzwald, Chemiebetriebe auf dem Areal Sisslerfeld (vor allem der weissrote Kamin sticht hervor, ich habe mich oft gefragt wo das ist, jetzt weiss ich es). Das Sonne-Schatten-Spiel machte die Landschaft äussert schön. Lange war ich hier am Fotografieren und stellte fest, dass der Akku der Sony-Alpha-6300 langsam zu neige ging.
Etwas weiter gen Osten fand ich nochmals eine Aussichtsplattform (nicht gleich an der Route, aber ausgeschildert) mit Sicht nach Ost und Süd: Frick, Frickberg, Strihe, Striegüpfel und.... die Alpen, sehr klar sogar. Der Akku der Alpha 6300 zeigte nur noch 15% an, der Reserveakku (bereits sehr alt) war leer, hätte nicht so sein dürfen. Notfalls müsste ich den Akku der Alpha 6000 nehmen, aber es funktionierte immer noch.
Dann folgte ein fieser und gemeiner Abstieg: Steil, glatt, mit Laub bedeckt. Schritt für Schritt stieg ich ab, halbwegs verkrampft (mein linkes Knie hatte das gar nicht gerne), aber ich schaffte es ohne Sturz. Endlich ein breiter Weg, ich machte sogar einen kleinen Umweg, damit ich nicht den nächsten Steilabstieg machen musste, und ich traf bei der Ruine Alt-Tierstein ein. Lange verblieb ich hier zum Fotografieren, auch wenn ich schon zwei oder drei Mal hier war. Dienstag-Nachmittag, keine Kinder (die sind in der Schule), ganz allein. So kann man in Ruhe fotografieren.
Am Schluss folgte ein langer Abstieg bis Gipf-Oberfrick, unterwegs staunte ich über die vielen Farben an der Sonne, ringsherum wieder Schatten, und über die Alpen, welche ich zwischen Striegüpfel und Wasserflue klar und deutlich sah. Ein Blick auf die Zeit und den Busfahrplan: Würde ich Postauto 135 um 15.48 Uhr schaffen? Es fährt mich fast bis an die Haustür, oder dann doch Postauto 136 um 16.05 Uhr? Es wurde die zweite Variante und um 16.45 Uhr war ich wieder in der warmen Stube. Das Wetter am Nachmittag war einfach fabelhaft schön geworden. Jetzt liegt der Aargauer Weg hinter mir, eine schöne Route mit vielen neuen Impressionen, Ortschaften, die ich noch nie besucht hatte, viele Aufnahmen und schöne Erinnerungen. Was kommt nachher? Gewisse Ideen liegen schon vor.
28. Oktober 2025, kurz vor 16 Uhr
Die letzte Aufnahme am Bahnhof Frick. Das Endziel war erreicht! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Freiheit und die Gesundheit besitze solche Touren machen zu können. Nebst Zufriedenheit und Bescheidenheit sind Freiheit und Gesundheit die wichtigsten Themen in meinem Leben, ich werde es immer wieder sagen.